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Geier und Almenrausch

Ab Mitte November wird sich die berühmte Geyer-Wally in der Oper „La Wally“ von Alfredo Catalani insgesamt sechs Mal im Theater an der Wien singend in den Tod stürzen. Das reale Vorbild für die früh emanzipierte Alpinistin war eine Malerin: Anna Stainer-Knittel, Großnichte des berühmten „Schmadribachfall“-Malers Joseph Anton Koch. Die hätte mit ihrem geschulten Bergblick in der Hofburg gestaunt. Denn die Auswahl an Motiven aus Stein und Fels ist groß!

 

Wenn man an Berge, Alpen, Schnee und Österreich im Bild denkt, ist Alfons Walde ein allererster Kandidat. In den 1930er Jahren kombinierte er vor allem in seinen großformatigen Gemälden Einflüsse von Expressionismus und Neuer Sachlichkeit. Er schilderte seine Landschaften mit einer reduzierten, präzisen Ausdrucksweise und bevölkert sie mit vereinfacht dargestellten Figuren. Sein „Bergweiler“ von 1935, Öl auf Malkarton, 48,5 x 69,5 cm zeigt das ausgeprägt. Die starke, eigensinnige Geier-Wally aus dem Ötztal wäre wohl auch hier einsame Außenseiterin gewesen. Passend auch „Baum“, 1987, Eitempera auf Leinwand, 90 x 80 cm, gemalt von einem Landsmann, dem großen Max Weiler, den man ebenfalls bei Kovacek & Zetter findet.

Herbert Brandl zählt mit seinen großformatigen Bildwelten zu den international erfolgreichsten österreichischen Malern der Gegenwart. Die in seiner Malerei verhandelten Sujets von Natur, Landschaft, Tieren, oszillieren zwischen Gegenständlichkeit, Abstraktion sowie zwischen Nah- und Fernsicht. In seinem Bild ohne Titel, 2021, 60 x 40 cm, bannt Brandl einen seiner berühmten Berggipfel, schroff, eisig, malerisch faszinierend in Ölfarbe auf die Leinwand. Von Schnee und Eis bedeckt steht er stolz da. Ein Felsen, den man sich erst erobern muss. So wie auch die eigensinnige Wally. Joseph Hagenbach aus Sölden versucht es. Doch als es ihm endlich gelingt, reißt ihn eine Lawine in den Tod. Wally stürzt sich ihm nach. Die Gefährlichkeit der Berge! Bei Herbert Brandl spürt man sie. Galerie422 - Margund Lössl

Gelbe Berge, rosa Bäume, lila Baumstämme, und inmitten stürzen blitzeblaue Wassermassen in die Tiefe: „Deep Fall, Bright“, Öl auf Leinwand, 175 x 130 cm groß, 2021 von Hubert Schmalix gemalt.Smolka Contemporaryzeigt diese Schmalix-Landschaften, über die Günther Holler-Schuster (Neue Galerie, Graz) schreibt: „Sie lassen sich nicht mehr als topografische Wirklichkeit definieren. Vielmehr sind sie Klischees bzw. Ideallandschaften ... Schmalix hat die Welt immer bunter erscheinen lassen – ein Arkadien, das weder der Jugendstil noch Walt Disney kühner im Stande gewesen wären in Szene zu setzen.“ Nun, auch die Ur-Wally, Anna Stainer-Knittel, mochte es bunt, und malte die Flora der Alpen. Besonders gerne den dunkelpink leuchtenden Almenrausch!

Die Berge, Fels, Eis und Schnee prägen, verändern ihre Bewohner. Aber: „Man braucht eben Metamorphosen. Man malt vor der Natur, aber man muss die Natur verwandeln, in Gestaltung, Form und Farbe. Und das war immer mein Anliegen. Ich bin nie von der gegenständlichen Malerei weggegangen“, meinte Franz Grabmayr über sein Kunst. Er malte viel in der Natur, ab 2006 oft und gerne Steinbrüche, wie jenen „Steinbruch“ von 2009, Öl auf Leinwand und 80 x 141 cm groß, den die Galerie Artecont in der Hofburg präsentiert. „Großflächig angelegt und von Matisse beeinflusst, modulieren diese Gemälde und Blätter ‚nur‘ noch das Weiß mit wenigen Buntfarben und Kohlestrichen – ein Zeichen höchster Meisterschaft“, meinen die Grabmayr-Spezialisten Robert Fleck und Caro Wiesauer dazu. Galerie Artecont

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