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Der Mensch und seine Naturen

Die Wege und Möglichkeiten Natur in die Kunst zu bringen sind viele. Die Naturen selbst können dabei ganz verschieden auffallen. Der eine malt sie, der andere verwandelt sie in etwas Neues, für weitere ist sie Raum für Inszenierung, wird selbst generiert oder es wird etwas als natürlicher Lebensraum begriffen, was mit der uns landläufig bekannten Natur gar nichts zu tun hat.

Galerie Gölles

Alois Mosbachers Bildwelt ist seit seinen Anfängen figurativ und der Bildraum ist immer „Natur“.  Nicht anders auch in seinem aktuellen Gemälde „Ghost“ von 2022, Öl auf Leinwand, 140 x 80 cm, das auf dem Stand der Galerie Gölles zu sehen ist. Und doch scheinen sich beim zweiten Blick die Formen der darauf abgebildeten Blüten geisterhaft in der Luft aufzulösen, ihre Konturen zu verlieren. „Überraschenderweise ist die Kunst Mosbachers immer persönlich, radikal individualistisch, sogar anarchistisch, unbeschränkbar willkürlich, total souverän und manisch „ichbezogen” und gleichzeitig fast „neutral”, fast indifferent, fast dinglich-objektiv. Im selben Moment ist er fähig, das Thema – als etwas Irrationales, als etwas Unerklärbares, als etwas Unberechenbares – in den Vordergrund zu stellen . . .“, wusste schon der ehemalige MUMOK-Direktor Lóránd Hegyi 1997 in einem Katalogtext.  

Galerie Jünger

Der 1968 in Ybbs geborene Martin Schrampf studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien beim Bildhauer Franz Xaver Ölzant und besuchte den Fotografielehrgang bei Peter Kodera. Heute ist er in beiden Medien tätig. Die Galerie Jünger präsentiert ihn mit „Mandarineneis“, 2016, Aluminium, Kunstharzlack, 110 x 67 x 55 cm, in der Orangerie Schönbrunn als Bildhauer. Über seine Skulpturen meinte Angelika Starkl: „In den Metallobjekten von Martin Schrampf werden die Kontrapunkte von Leblosem und Lebendigem sichtbar. Leblose Materie nimmt Form an, und zwar in Gestalt von organisch wirkenden Körpern. Durch den Einfluss der Hitze, durch das Biegen und Formen von starrem Material entstehen Objekte, die sich uns weich, natürlich und vertraut präsentieren, die sogar menschliche, tierische oder pflanzliche Züge annehmen, oder sich wie Blätter im Wind zu bewegen scheinen.“

Galerie Frey Wien | Salzburg

Malerische Metamorphosen erlebt man im Werk von Harding Meyer, das die Galerie Frey präsentiert: „Seit vielen Jahren nimmt der 1964 in Porto Alegre, Brasilien, geborene Harding Meyer mit einer Filmkamera Fernsehbilder auf. Er filmt Menschen vom Bildschirm ab, die zum Beispiel in Talkshows auftreten und transferiert die auf diesem Weg festgehaltenen Momentaufnahmen in Malerei. Im Allgemeinen erfahren die meistenteils porträthaften Vorlagen, die Meyer immer auch aus Printmedien, dem Internet oder aus seinem privaten Umfeld bezieht, während des Malprozesses eine Umwandlung, indem er wesentliche Details verfremdet und dadurch die Dargestellten bewusst ihrer eigentlichen Persönlichkeit beraubt. So entsteht letztendlich im vollendeten Gemälde allerlei Neues, das auf formaler und inhaltlicher Ebene weit über die zufällig vorgefundenen oder als geeignete Screenshots ausgewählten Motive hinausgeht.“ (Hartwig Knack)
 

Galerie Michaela Stock

In den Jahren 2019/20 schuf Marko Zink unter dem Titel „Ich habe dir nie etwas versprochen“ eine Serie von analogen Panoramafotografien, in denen er, wie bereits 2010 in „Im Wald: Tragödien“, mit einer Art Weltuntergangsszenario von erschreckender Zeitlosigkeit mit hybriden Kreaturen und pflanzlichen Doppeldeutigkeiten, die aktueller denn je sind, operiert.

Marko Zink inszeniert sich darin als Tierfiguren in weiten, meist öden, räudig angekränkelten Landschaften, seine Arbeiten haben performativen Charakter und thematisieren mehrschichtig die Vergänglichkeit der Existenz. Denn dazu kommt, dass das Trägermaterial, der analoge Film, vor der Belichtung gekocht wird und sich dadurch nach einiger Zeit auflöst. 

Gaudi Gallery

„A public space of one’s own”, ihren eigenen öffentlichen Raum haben sich Gustaf Elias & Jenny Esbjörnsson mit ihrer gleichnamigen Installation geschaffen, mit der sie die Gesellschaft durch eine alternative feministische Linse kommentieren wollten. Daraus entstand auch eine Dokumentation. Intention von Gustaf Elias und Jenny Esbjörnsson war damit, eine Geschichte über Feminismus, Beziehungen, Farben und Status zu kreieren. Eine Geschichte, die in Fotografien erzählt wird und sich sowohl auf die „Songs of Innocence and Experience“ des Dichters William Blake aus dem 18. Jahrhundert als auch auf Virigina Woolfs „A Room of One's Own“ aus dem 20. Jahrhundert bezieht. Zu sehen bei Gaudi Gallery.

Wonnerth Dejaco

Die wunderbare Warenwelt der Marken sind das Thema von Ellen Shafer, 1985 in Los Angeles geboren, wo sie auch lebt und arbeitet. Natürlich ist es ein kritischer, ein ironischer Blick, den sie auf die Seelenheilbringer des Kapitalismus wirft. „You don’t need Lipstick, Lipstick needs you“, schreibt sie auf Leuchttafeln oder „The bags under my eyes are designer“, wie auf der Arbeit „Shiny Happy People“ (Laughing), 2020, illuminated sign, digital print on backlit film, 38,5 x 38,5 cm, mit der sie Wonnerth Dejaco in der Orangerie vorstellt. Sie selbst berichtet über sich: „Ich wurde in ein Einkaufszentrum hineingeboren und durchquerte den Kanal zwischen den Geschäften von Macy's und JCPenney. Ich lernte, in einem Körper zu sein, indem ich mir verschiedene Pflegevorschriften aneignete. Ich übte choreografierte Bewegungen ein, die mit verschiedenen Produkten verbunden waren. Und während ich durch die endlosen Gänge der Geschäfte und die digitalisierten Symbole der Einkaufswagen wanderte, kultivierte ich meine intimste und dauerhafteste Beziehung.“

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